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F√ľr die Lilien beginnt der gr√∂√üte Teil des Stadion-Umbaus, mit der Gegengerade ist man bereits im Verzug. Auch die hohen Kosten k√∂nnten zu einem Problem werden.

Sie ist ein Relikt aus Zeiten, als Komfort in Fu√üball-Stadien eine untergeordnete Rolle spielte. Karge Steinstufen, errichtet auf Kriegsschutt, kein Dach, das die Zuschauer vor Regen und Schnee sch√ľtzt – und trotzdem ist die Gegengerade am B√∂llenfalltor¬†Kult und Garant f√ľr gute Stimmung bei den Heimspielen von Zweitligist SV Darmstadt 98. Doch ihre Tage sind gez√§hlt. Vor kurzem wurde eine Baustellenzufahrt angelegt, und nach dem letzten Heimspiel des Jahres am 8. Dezember gegen den FC Ingolstadt wird mit dem Abriss begonnen.

Entstehen soll eine neue Trib√ľne nach englischem Vorbild mit Stehpl√§tzen auf dem Unterrang und Sitzpl√§tzen dar√ľber – alles komplett √ľberdacht, wie von der DFL seit Jahren gefordert. F√ľr den Verein beginnt damit das bislang gr√∂√üte Kapitel des Stadionumbaus. Das ist nicht ohne Risiken – und doch hat man keine andere Wahl.

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Erinnerungsst√ľcke werden verkauft

Die Lilien-Fans k√∂nnen sich ein St√ľck der Gegengerade als Erinnerung sichern. Die Fan- und F√∂rderabteilung will unter anderem Teile von Stufen, Wellenbrechern und Z√§unen zum Verkauf anbieten. Weitere Informationen dazu gibt es auf fufa-sv98.de.

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Lokalpolitische Posse

„Der Stadionumbau ist grunds√§tzlich alternativlos, da ohne Investitionen in die Infrastruktur der SV 98 bekannterma√üen keine Lizenz f√ľr die Profiligen mehr erhalten w√ľrde“, sagt Gesch√§ftsf√ľhrer Michael Weilguny.¬†Zudem sei das Stadion aktuell wegen des st√§ndigen Sanierungsaufwands nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Der Weg zu einem profitauglichen Stadion in Darmstadt ist lang und holprig:¬†2013 ergab eine Machbarkeitsstudie, die von der Stadt als Eigent√ľmerin in Auftrag gegeben worden war, dass ein Neubau am bisherigen Ort die g√ľnstigste L√∂sung sei. Es war der Auftakt einer lokalpolitischen Posse mit Fehleinsch√§tzungen und vollmundigen Versprechen, die nie eingehalten wurden. Vor etwa einem Jahr √ľbernahm der Verein das Stadion in Erbpacht. Seitdem geht es voran.

Haupttrib√ľne im Zeitplan, Gegengerade nicht

Der Rohbau des Funktionsgeb√§udes hinter der Haupttrib√ľne steht inzwischen. Dort werden unter anderem Gesch√§ftsstelle,¬†Physio- und Trainerstab sowie die Medien untergebracht. Im Sommer soll es fertig sein. Mit den Arbeiten liegt man im Kosten- und Zeitplan.

Bei der maroden Gegengerade sieht das anders aus. Eigentlich sollte bereits in der vergangenen Sommerpause mit dem Umbau begonnen werden. Doch weil Zusch√ľsse von Stadt und Land verwendet werden, musste der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden. Es meldete sich nur ein Generalunternehmer: die Hellmich Unternehmensgruppe, die schon die Stadionprojekte¬†bei¬†Schalke, Duisburg oder St. Pauli umgesetzt hatte.

Kosten deutlich höher als kalkuliert

Bei den Kosten muss¬†Weilguny eine deutliche Steigerung einr√§umen.¬†„Aufgrund der momentanen Hochkonjunkturphase im Baugewerbe belaufen sich die Kosten f√ľr den Umbau der Gegengeraden auf etwa 18,5 Millionen Euro und damit zirka vier¬†Millionen √ľber den urspr√ľnglichen Berechnungen unseres stadionerfahrenen Generalplaners“, sagt er.

Das Thema Finanzierung ist damit nicht abgeschlossen. Denn nach der Gegengerade soll ab 2020 auch die Haupttrib√ľne umgebaut werden – was schon jetzt mit 20 bis 22¬†Millionen Euro kalkuliert ist.¬†Die Stadt hat den gesamten Kostenrahmen von urspr√ľnglich 28,5 Millionen Euro auf 40,5 Millionen Euro erh√∂ht – und will sich bis zu diesem Rahmen die Mehrkosten mit dem Verein teilen. Mehr sei aber „beihilferechtlich auch nicht m√∂glich“, sagt¬†Oberb√ľrgermeister Jochen Partsch von den Gr√ľnen.¬†

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Visualisierung des Stadionumbaus in Darmstadt

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Loca-tag ‚teaser_more_audio_sr‘ not found Umbau des B√∂llenfalltor-Stadions teurer als geplant


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Gebranntes Kind seit 1981

Ob der Kostenrahmen jedoch ausreicht, ist angesichts der bisherigen Entwicklung zumindest fraglich. Hinzu kommen sportliche¬†Risiken. Zwar ist auch ein Drittliga-Abstieg laut Pr√§sident R√ľdiger Fritsch in der Kalkulation enthalten. Sollten die Kosten jedoch weiter explodieren und den Rahmen sprengen, h√§tte der Verein ein Problem.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass man da in Darmstadt ein gebranntes Kind ist. Im Jahr 1981, die Lilien waren zum zweiten Mal in die Bundesliga aufgestiegen, schrieb der DFB dem Verein unter anderem den Bau einer Flutlichtanlage vor.¬†Der Verein verschuldete sich damit auf Jahre und verschwand √ľber Jahrzehnte in der sportlichen Bedeutungslosigkeit.

Das soll sich nicht wiederholen. Gesch√§ftsf√ľhrer Weilguny beruhigt:¬†„Zusammen mit der Stadt Darmstadt und dem Land Hessen konnten wir ein vern√ľnftiges, langfristiges Finanzierungskonzept f√ľr das Projekt entwickeln.“